Kiwicha, Inkakorn, Inkaweizen, Reismelde oder Andenhirse: Diese Bezeichnungen stehen alle für die Quinoasamen. Mittlerweile ist es geradezu schwer, nichts von dem Quinoatrend mitzubekommen. Ob im hippen vegetarischen Burger, an der Salattheke oder in der Pflanzenmilch – die südamerikanische Pflanze erobert Deutschland. Wir klären auf, was hinter dem Trend steckt und ob Quinoa seinen Ruf als Superfood auch verdient hat.

Die lateinische Bezeichnung für Quinoa lautet Chenopodium quinoa und die Pflanze gehört mit ihren über 100 verschiedenen Sorten zu den Gänsefußgewächsen. Dies ist von Relevanz, da Quinoa irrtümlich häufig für eine Getreidesorte gehalten wird, obwohl es botanisch richtig gesehen zu den Gemüsegewächsen gehört. Man klassifiziert Quinoa somit als Pseudogetreide. Der Begriff „Pseudo“ vermittelt den Eindruck von etwas Unechtem, dabei besagt die Bezeichnung Pseudogetreide im Grunde nur, dass es sich bei den zugehörigen Gewächsen nicht um eine Grasart handelt. Denn Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Hirse und Reis gehören zu den Gräsern und werden gemeinsam als Getreide bezeichnet.

Quinoapflanze

Bei Quinoa handelt es sich um ein Pseudogetreide

Geschichtsträchtige Kulturpflanze

Die Quinoapflanze hat ihren Ursprung in Lateinamerika. Schon seit etwa 5.000 Jahren ist sie bei den Bergvölkern der Anden als Kulturpflanze bekannt. Genau das macht die Pflanze so besonders, denn sie gedeiht in den Hochregionen der Anden in Höhen von 4.200 Metern. Damit bildet sie noch heute in den Ländern der Westküste Südamerikas von Mexiko bis Chile ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Bedeutend ist dies, da es nicht möglich ist, in solchen Höhenlagen Mais anzubauen. Dementsprechend fällt eine wichtige Nahrungsquelle weg.

In den Anbauländern von Quinoa wird nicht nur der Samen der Pflanze gegessen, sondern auch die Blätter. Interessant ist, dass auch Europäer Quinoa zwischen dem Eisenzeitalter bis Anfang des 20. Jahrhunderts Quinoa angebaut haben, um Mehl herzustellen. Der Anbau bereitete zu damaliger Zeit allerdings Schwierigkeiten, denn die Früchte reiften im mitteleuropäischen Klima schlecht aus. Mittlerweile gelingt aber der Anbau auch zunehmend in Europa.

Quinoa als Superfood?

Quinoa wird immer beliebter und ist momentan in aller Munde. Man sagt, es sei ein Superfood. Doch wie viel steckt eigentlich dahinter? Fest steht, dass die Samenkörner eine sehr günstige Eiweißzusammensetzung mit einer sehr hohen biologischen Wertigkeit von 83 aufweisen. Die biologische Wertigkeit gibt an, wie effizient ein Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umgesetzt werden kann. Als Richtwert dient hierbei das Hühnerei mit einem Wert von 100. Quinoa hat auch einen Vorsprung gegenüber den gewöhnlichen Getreidesorten. So liegen Mineralstoffe wie Calcium, Eisen, Zink, Kalium und Phosphor weit über denen des Weizens.

Auch die enthaltenen Fette können sehr positiv bewertet werden, da über 50 Prozent mehrfach ungesättigter Fettsäuren enthalten sind. Das Pseudogetreide ist zudem komplett glutenfrei und somit auch für Menschen mit Glutenunverträglichkeit eine echte Alternative.

Quinoa

Quinoa ist komplett glutenfrei

Quinoa, Amarant, Couscous oder Bulgur?

Zu der Gruppe der Pseudogetreide gehört auch Amarant, der häufig mit Quinoa verwechselt wird. Tatsächlich besteht zwischen beiden Pflanzen eine große Ähnlichkeit. Quinoa gehört zu den Gänsefußgewächsen und ist damit ein Fuchsschwanzgewächs (Amaranthacaen), zu denen auch die Amarantpflanze gehört. Unterschiede gibt es trotzdem, wenn auch nur kleine: Amarant besitzt noch kleinere Samen als Quinoa und auch die Blütenhüllblätter der Pflanzen sehen anders aus. Es bestehen auch geringe Unterschiede im Mineralstoffgehalt, die jedoch vernachlässigt werden können. Übrigens besteht bei Quinoa und Amarant keine Verbindung zu Couscous oder Bulgur, trotz ähnlicher Zubereitungsart und Struktur. Bei Couscous handelt es sich um Grieß aus Getreide und Bulgur ist behandelter Weizen.

Wie bereite ich Quinoa richtig zu?

Wenn Sie schon einmal Quinoa gekauft haben, haben Sie vielleicht auch den Hinweis auf der Packung entdeckt: „Vor dem Kochen unter fließendem Wasser waschen“. Diese Zubereitungsempfehlung ist auf die auf der Schale enthaltenen Saponine zurückzuführen, die sehr bitter schmecken. Die Saponine stellen einen pflanzeneigenen Schutz gegen Schädlinge dar, sind aber in größeren Mengen auch für den Menschen giftig. Zumeist wird Quinoa deshalb, bevor er in den Handel kommt, durch intensives Waschen oder Abschleifen der äußeren Hülle entbittert. Trotzdem können noch Reste auf dem Korn verbleiben, weswegen das Waschen vor dem Kochen nötig ist. Quinoa ist wegen der Saponine zudem nicht für die Ernährung von Kindern oder Säuglingen geeignet.

Sobald Quinoa gewaschen ist, geht es an den Kochtopf. Die Kochzeit ist bedeutend kürzer als bei Reis. Man erhitzt Quinoa in der dreifachen Menge Wasser. Nach einer Kochzeit von 15 Minuten nehmen die Körner ein glasiges Aussehen an und die Keimlinge bilden um das Nährgewebe kleine weiße Ringe. Danach sollte man die Masse noch zehn Minuten nachquellen lassen. Gekochte Quinoasamen schmecken nussähnlich und man kann sie wie Reis verwenden.

Übrigens können Sie die Samen auch wunderbar für den nächsten Tag vorkochen oder portionsweise in der Gefriertruhe lagern. Achten Sie bei der kühlen Lagerung darauf, die gekochten Samen möglichst schnell herunterzukühlen.

Doch Quinoa kann noch einiges mehr. Verwenden Sie die Samen doch mal als Backzutat und mahlen Sie hierfür die Saat in der Getreidemühle. Durch das Fehlen von Gluten kann man leider keine reinen Quinoa-Backwaren herstellen. Daher sollten Sie besser ein Mischverhältnis von einem Teil Quinoamehl zu zwei Teilen Weizen-, oder Dinkelmehl verwenden.

Weitere Koch- und Backideen mit Quinoa finden Sie in unserer Rezeptdatenbank.

Quinoasalat

Mit Quinoa können Sie allerlei leckere Gerichte zaubern – zum Beispiel Quinoasalat

Quinoa richtig gelagert

Genau wie andere stärkehaltige Beilagen ist Quinoa zuerst ein Trockenprodukt. Wenn die Samen luftdicht verpackt an einem trockenen, kühlen Ort lagern, sind sie bis zu einem Jahr haltbar und somit ideal für’ das Vorratsregal. Beachten Sie allerdings, dass Quinoamehl deutlich empfindlicher ist und am besten im Kühlschrank gelagert wird. Verwenden können Sie es innerhalb von vier Monaten. Mahlen Sie am besten nur genau so viel Quinoa, wie sie direkt verwenden möchten.

Das Pseudogetreide kann man bedenkenlos roh essen, sofern man die Bitterstoffe auf der Schale abwäscht, die es sonst so ungenießbar machen. Vorteil an einer vorherigen Verarbeitung ist aber, dass der Körper alle Nährstoffe aufnehmen kann. Beispielsweise bietet es sich an, die Samen geschrotet und eingeweicht im Müsli zu essen.

Quinoa in der Milch?!

Pflanzendrinks sind in aller Munde. Bekannte Sorten wie Soja- oder Reis-Drinks sind mittlerweile nur noch schwer aus dem Supermarkt wegzudenken. Immer häufiger sieht man jetzt auch Quinoa-Drinks in den Regalen. Grund für den Trend könnte ein steigendes Bewusstsein der Bevölkerung gegenüber der Massentierhaltung sein, das zu einer Ablehnung von Kuhmilch führt. Den Titel „Milch“ dürfen die pflanzlichen Erzeugnisse rein rechtlich nicht tragen, diese Bezeichnung ist nur für das tierische Produkt erlaubt. Deswegen findet man keine Sojamilch, sondern stattdessen Sojadrinks oder Mandel-Getränke. Die Herstellung von Pflanzenmilch ist ziemlich simpel: Die Samen oder das Getreide werden in Wasser eingeweicht und anschließend ausgepresst. Meist werden dann noch Zusatzstoffe oder Aromen zugegeben.

Besonders spannende Unterschiede zwischen den verschiedenen Milchersatz-Sorten liegen übrigens in den Umweltauswirkungen. Abhängig sind diese vor allem von der Art und Weise, wie die Pflanzen angebaut und verarbeitet werden. Im Idealfall sollte die Pflanzenmilch, Monokulturen, Pestizide und problematischen Wasserverbrauch sowie mit geringen Treibhausgas-Emissionen hergestellt werden.

Haben Sie schon einmal Quinoa-Drinks probiert? Und versuchen auch Sie mit verschiedenem Pseudogetreide Pepp in Ihren Ernährungsalltag zu bringen? Schreiben Sie uns Ihre Ideen oder diskutieren Sie mit uns auf Facebook oder Twitter.


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