Sie gilt rund um den Globus als einer der bekanntesten deutschen Weine überhaupt: die berühmt-berüchtigte Liebfrauenmilch. Doch obwohl sich echte Weinkenner hierzulande von dem Klischee dieses Weins mit Schrecken abwenden, kennen nur wenige die tatsächlichen Fakten um seine eigentliche Herkunft und Geschichte. Und gerade die war durchaus einmal ruhmreich.

Liebfrauenmilch, Worms, Wein, Rebe, KircheWas am meisten dabei überraschen dürfte, ist die Tatsache, dass eine gute Liebfrauenmilch vor hundert Jahren noch zu den teuersten und feinsten Weinen der Welt zählen konnte. Damals freilich verstand man darunter jedoch etwas anders als heute. Im 19. Jahrhundert wurde unter dieser Bezeichnung ausschließlich der Wein aus dem direkt an der Wormser Liebfrauen-Kirche gelegenen Weinberg abgefüllt, der seit jeher legendären Ruf besaß. Noch heute delikat zu verkostende Flaschen aus der Zeit um die Jahrhundertwende belegen, welch herausragende Qualitäten damals dort gewachsen sein mussten.

1910 fasste dann aber die Wormser Handelskammer den weit reichenden Beschluss, den Begriff Liebfrauenmilch von der ursprünglichen geographischen Herkunft loszulösen und ihn fortan als Phantasiebezeichnung für Rheinweine ganz allgemein zu verwenden. Innerhalb weniger Jahre wurde dadurch aus dem einstmals so berühmten Gewächs dann jenes Markenweinchen, das man heute gemeinhin mit diesem Namen verbindet. Laut Weingesetz darf heute die Liebfrauenmilch überall in den Anbaugebieten Nahe, Pfalz, Rheingau und Rheinhessen als lieblicher Qualitätswein erzeugt werden und muss dabei mindestens zu 70 Prozent aus den Rebsorten Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau oder Kerner hergestellt werden. Insbesondere im angelsächsischen Ausland wurde diese Mischung mit einer blauen Nonne auf dem Etikett zum Sinnbild des „sweet & cheap“ Images des deutschen Weins.

Doch der ursprüngliche Weinberg an der Kirche in Worms existiert natürlich immer noch. Eine Zeit lang ist zwar seine große Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten, aber seit ein paar Jahren versuchen rheinhessische Winzer wie beispielsweise Gerhard Gutzler mit feinwürzigen, kraftvollen und trockenen Rieslingen aus dem Wormser Liebfrauenstift-Kirchenstück an den großen Ruhm von früher wieder anzuknüpfen. Die Verkostung einer echten „Liebfrauenmilch“ im historischen Sinne des Begriffs kann sich also tatsächlich lohnen.

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