Wenn das Wetter im Herbst und Winter ungemütlich wird, lieben wir wärmende und herzhafte Speisen. Maronen – auch Esskastanien genannt – sind dann genau das Richtige. Aber ist Kastanie gleich Kastanie? Und wie bereitet man Esskastanien am besten zu? Wir verraten es Ihnen!

Die Kastanie gehört zu der Familie der Buchengewächse und wächst an einem bis zu 30 Meter hohen Baum. Verwirrung ist vorprogrammiert, wenn es um Kastanien geht – denn Kastanie ist nicht gleich Kastanie. Auf der einen Seite gibt es die Rosskastanie (ein Rosengewächs) und auf der anderen Seite die Esskastanie (ein Buchengewächs), auch Edelkastanie oder Marone genannt. Wie kommt es also, dass wir beide als Kastanien bezeichnen? Obwohl sie botanisch nicht weiter verwandt sind, ähneln sich ihre Früchte äußerlich. In beiden Fällen sind die nussartigen Früchte in einer stacheligen Hülle versteckt. Aber Achtung: Die Früchte der Rosskastanie sind ungenießbar. Zwar macht es Spaß, diese im Herbst zu sammeln, aber essen sollten Sie sie nicht.

Kastanie

Rosskastanien eignen sich nicht für den Verzehr.

Mythenumwobener Baum: Die Edelkastanie

Bleiben wir also bei den Edelkastanien der Art Castanea sativa. Der Name „Castanea“ stammt übrigens, wenn man alten Sagen Glauben schenkt, daher, dass der römische Gott Jupiter einen Baum pflanzte, den er der Nymphe Nea widmete. Die Nymphe Nea hatte der Sage nach Selbstmord begangen, um sich den Annäherungsversuchen des Gottes zu entziehen. Den Baum bezeichnete Jupiter als „Casta Nea“. Das lateinische „casta“ bedeutet so viel wie keusch oder unbefleckt.

Zu uns nach Europa kam die Esskastanie vermutlich dank der alten Römer vor über 2.000 Jahren. Später war es Karl der Große, der dafür sorgte, dass die Esskastanie auch in unseren Gefilden angebaut wurde. Je weiter südlich die Kastanienbäume jedoch wachsen, desto besser stehen die Chancen, dass reife, schmackhafte Früchte entstehen.

Maronenzeit ist Herbstzeit

Edelkastanien lieben Sonnenschein – daher wachsen die Früchte vor allem gut in Lagen, in denen die Sonne besonders viel scheint. Sehen wir der Realität ins Auge: Dabei handelt es sich seltener um deutsche Gebiete, sondern zumeist südlichere Länder. Zwar wachsen auch in Deutschland Edelkastanienbäume, aber nur in Jahren mit viel Sonnenschein (oder in sonnentechnisch begünstigten Lagen wie in Weinbaugebieten) tragen diese auch wirklich reife, genießbare Früchte. Im Supermarkt erhalten wir meist Maronen aus Italien, Frankreich und anderen Mittelmeerländern.

Im Sommer blühen die Edelkastanienbäume. Die länglichen Blütenkätzchen haben eine weiß-gelbliche Farbe und erinnern an Pfeifenputzer. Der Herbst bringt dann die reifen Früchte der Edelkastanie hervor. Im Oktober und November platzen die stacheligen Fruchthüllen auf und offenbaren die Nussfrüchte. Übrigens: Die Bäume der Edelkastanie blühen frühestens zum ersten Mal nach zwanzig Jahren – und leben bis zu 1.000 Jahre.

Marone

Typisch für die Marone ist ihre stachelige Hülle.

Ihnen ist es sicher schon aufgefallen: Mal ist bezüglich der Früchte die Rede von Maronen, mal von Kastanien. Aber gibt es einen Unterschied zwischen den Bezeichnungen? Man unterscheidet zwischen drei Begriffen: Kastanien, Maronen und Dauermaronen. Kastanien haben eine dunkle Schale, ihr Fruchtfleisch lässt sich nur schwer von der Schale lösen und ist recht kurz haltbar. Maronen haben einen besonders aromatischen Geschmack, ihr Fruchtfleisch lässt sich leichter von der helleren Schale lösen und ist auch länger haltbar als das der Kastanie. Die Dauermaronen unterscheiden sich vor allem durch ihre Eigenschaft, dass die nicht selbst vom Baum fallen, sondern gepflückt werden müssen.

Vom (Edelkastanien-) Baum in den Supermarkt

Nachdem im Herbst die Früchte aufgelesen wurden, werden die Nussfrüchte getrocknet. Bereits dadurch erhöht sich ihre Haltbarkeit. Damit sie auch noch Monate nach ihrer Reife von uns zu leckeren Gerichten verarbeitet werden können, werden die Maronen meist vorgekocht und vakuumiert angeboten. Wer das Glück hat, frische Maronen zu ergattern (diese sind einige Wochen lang im Kühlschrank haltbar), kann daraus leckere „heiße Maronen“ zubereiten – ganz so, wie wir sie vom Weihnachtsmarkt kennen und lieben.

Die Schalen der frischen Nussfrüchte sollten glatt und glänzend sein und keine Löcher aufweisen. Wenn Sie die einzelne Nuss schütteln, dann sollte diese nicht klappern. Schneiden Sie die Esskastanie kreuzförmig ein und rösten Sie die Früchte im Ofen oder in siedendem Wasser solange, bis sich die Schale öffnet – das dauert etwa 20 Minuten. Tipp: Die samtig-ledrige Haut, die das Fruchtfleisch umhüllt, lässt sich meist recht schwer entfernen. Leichter geht es, wenn Sie die geschälten Maronen für wenige Minuten in heißes Wasser legen.

Marone

Gerade in der Herbst- und Winterzeit dürfen heiße Maronen nicht fehlen.

Kastanien in der Küche – Was schmeckt am besten?

Die Puristen unter uns bleiben vielleicht bei der oben beschriebenen Variante der gerösteten Marone. Allerdings lässt sich noch so einiges mehr mit den leckeren Nussfrüchten anfangen. Ein Klassiker sind zweifelsohne glasierte Maronen zu Wildgerichten. Dazu einfach die vorgegarten Maronen in etwas Zucker und Butter erhitzen, mit Bratensaft, Brühe oder Wasser ablöschen und etwas einkochen lassen.

Eine leckere, süße Variante eines Brotaufstrichs ist die Maronencreme. Dazu pürieren Sie ein Pfund gegarter Maronen und vermengen die Paste mit jeweils vier Esslöffeln Butter, Schlagsahne und Zucker (alternativ: Honig). Nach Geschmack können Sie auch etwas Vanille oder geraspelte Schokolade hinzugeben – fertig ist Ihr Aufstrich, welchere sich übrigens auch toll zu einem Dessert verarbeiten lässt. Falls die Creme zu dickflüssig ist, können Sie diese nach Belieben mit Milch verdünnen.

Oder versuchen Sie doch mal unsere vegetarischen Wirsing-Röllchen mit Maronen.

Maronen: Nur lecker oder auch gesund?

Zunächst einmal: Esskastanien sind nicht zum Rohverzehr geeignet, denn sie enthalten recht große Mengen an Tanninen. Dabei handelt es sich um Gerbstoffe, die für einen herben Geschmack sorgen. Durch das Garen der Maronen wird ihr Geschmack aber herrlich süßlich. Die Nussfrüchte enthalten zur Hälfte Wasser. Die andere Hälfte besteht hauptsächlich aus Kohlenhydraten sowie jeweils zwei Gramm Fett und Eiweiß (pro 100 Gramm). Bei den Kohlenhydraten handelt es sich überwiegend um Stärke – dies sorgt für den charakteristisch mehligen Geschmack der Maronen.

Im Vergleich zu anderen Vertretern der Nussfrüchte (z. B. Walnüsse oder Haselnüsse) zeichnet sich die Edelkastanienfrucht durch ihren niedrigen Fettgehalt von nur 2 Prozent aus – andere Nussfrüchte enthalten meist über 50 Prozent Fett.

Dass Edelkastanien positive Gesundheitseffekte mit sich führen, davon war seinerzeit schon Hildegard von Bingen überzeugt: Stärkend für Herz und Nerven sollen sie sein. Als Hausmittel nützen auch Kastanienblätter. Ein Dampfbad mit den Blättern soll gegen Reizhusten helfen. In erster Linie lieben wir die Edelkastanie jedoch für ihre schmackhaften und vielseitigen Früchte.


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