Dass natürliche Einflussfaktoren wie Sonnenschein und Niederschlag, die Bodenbeschaffenheit und Hangneigung oder die Exposition des Rebbergs den Geschmack des Weines beeinflussen können, ist weithin bekannt. Doch auch die Höhenlage kann ein entscheidendes Element in diesem Puzzle sein.

Der Weinbau in Deutschland findet überwiegend auf Höhenlagen von ca. 100 bis 400 Meter über dem Meeresspiegel statt. Darüber hinaus ist die Rebkultur hierzulande eher die Ausnahme als die Regel. Da ab 400 Metern noch kein Gebirge beginnt, scheint es auf den ersten Blick, dass auf dieser „Höhe“ wohl kaum andere Bedingungen herrschen als weiter „unten“. Wenn man jedoch den sogenannten atmosphärischen Temperaturgradienten mit in die Betrachtung bringt, ergibt sich ein anderes Bild: Mit zunehmender Höhenlage sinkt die Temperatur kontinuierlich um durchschnittlich 0,65° C ab – teilweise sogar um fast einem Grad pro 100 Meter Höhe. Das klingt zunächst nicht besonders dramatisch, kann aber in einem eher kühlen Weinland mit moderatem Klima wie in Deutschland den entscheidenden Unterschied zwischen optimaler und ungenügender Traubenreife ausmachen.

Auch in höheren Lagen: Optimale Traubenreife dank natürlichen Bedingungen.

Höher gelegene Weinberge brauchen daher an anderer Stelle besonders begünstigte Bedingungen wie beispielsweise durch Sonneneinstrahlung oder Exposition, um dieses natürliche Temperaturdefizit auszugleichen. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Bodenseeregion am Oberrhein. Diese Region ist zwar als sonniges Urlaubsgebiet bekannt, kann weinbaulich aber durchaus als Höhenlage angesehen werden: Bereits die Seefläche liegt auf fast 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Weinberge zählen daher zu den höchstgelegen in Deutschland und können sich in dieser Region bis auf 560 Meter hinauf erstrecken. Der Bodensee zeigt mit seinen Weinen jedoch auch, dass höhere Lagen nicht automatisch einen Nachteil bedeuten. In Verbindung mit dem südlichen Sonnenschein und dem milden Klima können dort durchaus interessante Weine wachsen, die die Frische der Höhenlage mit einladender Frucht verbinden.

Auch durch die zunehmende Amplitude des Temperaturgefälles zwischen Tag und Nacht und die in der Höhe deutlich ansteigende UV-Strahlung entwickeln Bergweine oft einen ganz eigenen und besonderen Weincharakter. Wie so oft beim Wein kommt es auf das spezielle Mikroklima der jeweiligen Region an.

Die höchstgelegenen Weinberge Kontinentaleuropas findet man in Visperterminen im schweizerischen Wallis und im oberen Aostatal in Italien, wo sich die Rebgärten bis auf 1.150 bzw. 1.200 Metern hinaufziehen. Auf der Kanareninsel Teneriffa reichen die Weinberge sogar bis auf 1.800 Meter. Besonders häufig ist der Weinbau in großer Höhe aber in Südamerika. Hier findet man insbesondere in Chile, Mexiko, Bolivien und Argentinien zahlreiche Weinberge auch jenseits der 2.000-Meter-Marke. In Cafayate in der argentinischen Region Salta hielt man bis vor kurzem sogar den Weltrekord: Hier erzeugt das überaus renommierte Weingut Colomé Trauben in einem bis auf 3.111 Meter hoch gelegen Weinberg namens Altura Maxima. Mittlerweile hat aber sogar das „Guinnessbuch der Rekorde“ bestätigt: Der höchste Weinberg der Welt befindet sich in der Region Qushui (Qüxü) unweit von Lhasa in Tibet im Himalaya. Hier wachsen die Reben auf exakt 3.563,31 Metern über dem Meer.


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