Adelaide mag auf der anderen Seite des Planeten gelegen immens weit entfernt von uns sein – und doch ist die Hauptstadt Südaustraliens mit ihren europäischen Wurzeln dem Besucher oft überraschend vertraut. Schon der Name Adelaides, das nach der deutschstämmigen britischen Königin Adelheid von Sachsen-Meiningen benannt wurde, ist ein Hinweis auf die Historie der Stadt, die von englischen Siedlern sowie preußischen und schlesischen Lutherianern erbaut wurde. Doch nicht nur wegen ihrer Geschichte, der vielfältigen gastronomischen Szene und des reichen Kulturangebots ist Adelaide eine Reise wert, auch Weinliebhaber kommen hier auf ihre Kosten.

Umgeben von einigen der bekanntesten Weinregionen des Landes, die trotz der räumlichen Nähe erstaunlich unterschiedliche Klima- und Landschaftsverhältnisse aufweisen, gilt Adelaide auch als die führende Weinkapitale Australiens. Folgende Anbaugebiete sind bequem von der Stadt aus zur erreichen:

Barossa Valley

Mit seinen überaus saftigen, nichts selten sogar überwältigend fruchttiefen Shiraz-Weinen steht das weltberühmte Anbaugebiet Barossa Valley archetypisch für das in Europa weitverbreitete Bild eines großen australischen Rotweins. Doch auch wenn diese „Blockbuster“-Weine fast schon ikonenhafte Stellung erreicht haben bedeutet das keinesfalls, dass sie im Barossa Valley nicht auch bemerkenswert vielfältig in ihren Nuancen ausfallen können. Nicht von ungefähr gilt das rund 75 Kilometer nördlich von Adelaide gelegene Tal als ein „melting pot“ der Kulturen. Im Barossa Valley ist es heiß, manchmal sogar sehr heiß, jedoch meist trocken und durch die Entfernung vom Meer und der erhöhten Lage von 250 Metern am Talgrund bis zu 370 Meter in oberen Weinbergen eher kontinental geprägt, was bedeutet, dass die heißen Tage mit kühlen Nächten abwechseln können. Viele der „big boys“ der weltweit bekannten Weingrößen wie Penfolds, Peter Lehmann oder Wolf Blass haben hier ihren Sitz oder zumindest eine Niederlassung und befinden sich dabei in trauter Nachbarschaft mit hochinteressanten, aber außerhalb des Landes so gut wie unbekannten winzigen Boutique Wineries.

McLaren Vale

35 Kilometer südlich vor den Toren von Adelaide gelegen ist das McLaren Vale ein ideales Naherholungsgebiet für die südaustralische Kapitale. Am Wochenende pilgern die Stadtbewohner in die Anbauregion auf der Fleurieu Halbinsel, um dort neue Weine kennenzulernen, in den zahlreichen Weingutsrestaurants zu schmausen oder einfach nur mit dem Fahrrad durch die Rebgärten zu flanieren. Die sanft rollenden Hügel des Weingebiets profitieren dabei von der nahen Küste des St. Vincent Golf, der für ein ganzjährig mediterranes Klima sorgt. Das McLaren Vale jedoch nur auf die vielfältigen touristischen Möglichkeiten zu reduzieren würde dem berühmten Anbaugebiet bei weiten nicht gerecht werden. An diesem Ort nahm der südaustralischen Weinbau in Jahr 1838 seinen Anfang und einige der eindrucksvollsten Shiraz-Weine Australiens können heute hier verkostet werden, wuchtige Gewächse mit überaus reicher, tiefer Frucht und samtigem Kleid. Mehr und mehr machen aber auch die überragenden Grenache-Rotweine von sich reden, die oftmals von uralten „Bushvines“ stammen und entweder reinsortig, oder nach südfranzösischem Vorbild im klassischen „GSM-Blend“ im Verbund mit Syrah und Mourvèdre abgefüllt werden.

Clare Valley

Nordwestlich des Barossa Valley beginnt der australische „Riesling-Himmel“! Obgleich auch im Clare Valley Shiraz und Cabernet Sauvignon die meistangebauten Sorten sind, ist der internationale Ruf der Region doch unübersehbar mit der weißen Nobelrebe verknüpft. Viele der besten Rieslinge des Landes stammen aus dieser Gegend, deren markante Gewächse als stilbildend für ganz Australien wurden. Doch der echte Clare Riesling-Charakter bleibt unerreicht. In der Jugend oft eher karg im Ausdruck und von knackiger Mineralität geprägt, blühen diese Weine nach einigen Jahren in der Flasche erst richtig auf, entwickeln Komplexität und Frucht, ohne aber dabei füllig oder gar breit zu werden. Die besten Rieslinge können somit locker über 20 Jahre oder mehr eine bemerkenswerte Reifeentwicklung vollziehen.

Adelaide Hills

Vom Stadtrand Adelaides ist es nur ein Katzensprung bis hinauf zum Mount Lofty, einem beliebten Ausflugsziel mit berauschender Aussicht über die Metropole und bis hin zum St. Vincent Golf. Für Weinfreunde lohnt aber auch der Blick von dort in die andere Richtung. Denn hinter dem 727 Meter hohen Berg beginnt eines der interessantesten Anbaugebiete Australiens, das maßgeblich mitverantwortlich ist für den dortigen „Cool-Climate-Boom“ und das zeigt, wie vielfältig die Weinregionen des Landes sein können. Quasi in Sichtweite zum heißen Küstenstreifen des McLaren Vale zeichnen sich die benachbarten Adelaide Hills durch das moderate, ja sogar kühle Klima der Höhenlagen in den Mt. Lofty Ranges aus. Die anmutige Schönheit der Region ist oftmals geradezu betörend und nicht selten fühlt man sich wie in einer durch Riesenhand angelegten Parklandschaft, während an anderen Stellen kühle, bewaldete Seitentäler fast schon an Ausläufer des Schwarzwalds erinnern. Das Anbaugebiet gilt heute als eine der ersten Adressen des Landes für Chardonnays, Sauvignon Blancs und Pinot Noirs von geradezu „europäischer“ Frische, Brillanz und Komplexität.

Eden Valley

Durch einen Höhenzug mit dem knapp 600 Meter hohen Kaiserstuhl vom seinem berühmten Nachbarn im Westen getrennt ist das Eden Valley so etwas wie der ruhigere Hinterhof des stets lebhaften Barossa Valley. Touristisch weit weniger erschlossen, aber aufgrund der anmutigen Hügellandschaft nicht weniger lohnenswert, zeigt die Barossa Zone hier ihr anderes Gesicht. Während am Barossa-Talgrund nur ein paar Kilometer entfernt die Shiraz-Stöcke gegen die glühende Sonne kämpfen, bieten die deutlich höher gelegenen, bis hinauf auf 550 Meter reichenden und nicht selten vom Wind durchlüftet und gekühlten Weingärten des Eden Valley ideale Voraussetzungen für den Anbau von Riesling-Reben. So verwundert es wenig, dass diese fast schon kontemplativ anmutige Landschaft sogar noch mehr als der Nachbar von deutschen Siedlern geprägt wurde. Doch nicht nur für duftige Rieslinge, die oft erst nach 10 Jahre ihre volle Blüte erreichen, sollte man das Eden Valley besuchen. In geschützten Lagen wachsen auch herausragende Shiraz und in letzter Zeit hat sich das den paradiesischen Namen durchaus zurecht tragende Tal auch mit Viognier-Weinen einen internationalen Ruf geschaffen.

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